Reiseberichte von SCF Mitgliedern

Bericht von Daniela Schindler

 

 

The Run oder atemlos durch die Nacht

 

 

Meine Freundinnen Birgit, Andrea und ich hatten schon seit einigen Jahren vor, zusammen auf der 12mR ANITA die Nachtgegatta „The Run“ von Kiel nach Svendborg/Dänemark zu segeln. Ein Besuch bei mir von Birgit und der Törnplan 2022 brachten das Vorhaben dann in die Umsetzung. Unser kleiner Traum wurde wahr, denn wir meldeten uns an: Törn A 09 vom 10. Juni – 12. Juni 2022, Skipper Michael Klußmann, The Run

 

Wie waren letztlich eine 11-köpfige Crew. Klar waren wir alle Segler, aber eben einige noch nicht auf dem 12er ANITA und in völlig neuer Zusammensetzung. Wie konnte das funktionieren, die Kraft von Wind und Wellen auf der mächtigen ANITA zu bändigen und dann noch eine Nachtregatta, fragte ich mich! Voller Freude und Abenteuerlust schossen mir viele Gedanken durch den Kopf. Als ich den 12er voller Respekt am Liegeplatz in Kiel Stickenhörn betrat, stellte ich mich still und voller Ehrfurcht der Schönheit des top gelackten Schiffes hinter das Steuerrad und träumte, ich müsste ablegen und lossegeln.

 

Die Dimensionen des 12er´s sind beeindruckend! Ich fing gleich an Klaus-Jürgen´s 45er Nationalen Kreuzer, die „Altschwabing von 1920“, mit „ANITA“ zu vergleichen. Holzschiff, Langkieler und das Baujahr 1938 von ANITA waren ja nicht so weit entfernt von der Alt Schwabing. Aber ANITA ist mit gut 20m doppelt so lang, doppelt so breit, mehr als doppelt so tief, der Holzmast ist mit 28 Meter bald dreimal so hoch, die Segelfläche ein Vielfaches, die ANITA ist mit 26 Tonnen 10-mal so schwer als die alte Lady „Altschwabing“ vom Ammersee. Ich konnte es kaum erwarten, dass wir am nächsten Morgen unseren Trainingstag starten!

 

Am Anreisetag war noch emsige Vorbereitung für das Auslaufen notwendig: organisieren des Einkaufs, Vorräte verstauen, Segel austauschen, und jeder richtete sich seinen Schlafplatz in den Stockkojen ein. Die Nacht im Hafen verlief ruhig.

 

Am Freitag startete der Tag mit einem reichlichen gemeinsamen Frühstück in der Messe. Die mit feinstem Holz vertäfelte kleine gemütliche Kajüte im Bauch der ANITA hatte Platz für 11 Crewmitglieder! Der Trainingstag startete mit mäßig Wind in der Kieler Förde bis hinaus zum Leuchtturm. Wir trainierten in der neuen Crewbesetzung diverse Manöver.

 

Nach dem Abendessen bei leckerem Cilli con Carne und – wer mochte - auch sin Carne wurde die Schichteinteilung für die Nacht verkündet. Dann begaben wir uns in den Startbereich zur „RUN“. Der Regattastart war eher unspektakulär mit Pfadfinder, der Sonnenuntergang zeigte sich dagegen in voller Pracht. Faszinierend war ein großes Feld von „Jogurtbechern“ in der Nähe, das auch auf eine Nachtregatta nach Aerö/Dänemark startete. Wir machten uns bei wenig Wind und bald eintretendem leichten Regen in die Nacht auf den Weg nach Svendborg. Das helle Licht der „langen Tage“ mit Rot im Norden und der Mondschein, der auf dem Wasser hell reflektierte, gaben uns auch nachts gute Sicht. Eine heraus gesegelte Führung fiel der nächsten Flaute schnell zum Opfer. Dem Wettkampfgeist konnten die Windverhältnisse jedoch nichts anhaben. Bei den Schwachwindverhältnissen war die Crew beim Trimmen der Segel, vor allem des über 200qm großen Spinnackers, und mit Beobachten der Windfelder besonders gefordert. Mit viel Spaß und seglerischem Ehrgeiz waren beide Crew-Schichten dabei. Die Hundsschicht wurde mit dem schönen Sonnenaufgang im Nordosten belohnt.

 

Im Sund dann mussten die Tonnen genau gesucht und eingehalten werden, bis wir am Morgen als eines der ersten Boote durchs Ziel gingen und in Svendborg einliefen. Wir machten direkt an der Mole des alten Hafens fest. Kaltes Einlaufbier wurde uns vom Sponsor Pantaenius an Deck gebracht und half dabei, die ANITA aufzuklaren. Die relativ große Fläche eines Großsegels des 45er können zwei Leute gut zusammenlegen, bei der 12mR ANITA benötigt man die gesamte Mannschaft mit elf Personen!

 

Nach und nach kamen unsere Konkurrenten ins Ziel und legten sich mit uns ins Päckchen. Um es vorwegzusagen, bei der berechneten Zeit nach Yardstick oder KLR haben ANITA und Altschwabing die gleichen Benachteiligungen. Schönheit hat eben ihren Preis, auf der Siegerehrung kommt man zuerst dran ��. Fachsimpelei von Deck zu Deck, der Hafen war voll mit Klassikern belegt, die in Fehmarn, Kiel, Schlei oder Flensburg gestartet waren. Landgang bei herrlichem Wetter in die schöne Altstadt. Corona bedingt hat man schon vor Monaten das große „get together“ am Abend auf den einzelnen Booten geplant. Jeder bekam ausreichend Spargelsuppe mit Einlage und Wein an Bord. Wir feierten im großen Cockpit der ANITA direkt an der Pier.

 

Der seglerische Höhepunkt erwartete uns dann am Sonntag auf der Rücktour nach Kiel. 4 bis zu 6 Bft ließ die ANITA 6 bis 10 Knoten durch die wellige See jagen. Das schwere Schiff lag ruhig in der Welle, stampfte nicht wie einige andere GFK in unserer Nähe. Bis auf einen kleinen Holeschlag nördlich Aerö segelten wir stundenlang auf Backbord Bug mit leichtem Schrick in den Schoten vom Fünensund bis zur Hafeneinfahrt in Kiel!

 

Super Segelerlebnis!

 

Eure Daniela